SPD Steinau an der Straße

Pressemitteilung:

15. Dezember 2016
Kolumne in den Kinzigtal-Nachrichten

Was nutzt der schönste Bio-Weihnachtsschmaus...

Thema: Hessen im Ökolandbau bundesweit vorn: Mehr biologisch und regional erzeugte Lebensmittel anbieten?

Was nutzt der beste Bio-Weihnachtsschmaus, wenn am Ende doch der Billigbraten gekauft wird? Vergangene Woche hat die hessische Umweltministerin Hinz eine Zwischenbilanz zum Ökolandbau in Hessen gezogen. Selbstverständlich freut es mich, wenn die ökologische Landwirtschaft in Hessen wächst und gedeiht. Wenn wir die Chance haben, Hessen zu einem Musterland für ökologische Landwirtschaft zu machen, bin ich dabei! Zwei Punkte muss ich dennoch an der Zwischenbilanz kritisieren.

Zum einen ist es die Art und Weise, wie die Zwischenbilanz präsentiert wurde: Wir sind doch nicht blöd! Das Ministerium erklärt, dass sich die zusätzliche Fläche an Ökolandbau im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt habe. Das bedeutet nicht, dass sich die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Hessen verdoppelt hat, auch wenn es so auf den ersten Blick aussieht. Beachten Sie das Wörtchen „zusätzlich“. Es bedeutet, dass letztes Jahr 5.000 Hektar hinzukamen und dieses Jahr 10.000 Hektar. Über die tatsächliche Fläche sagt das erstmal nichts aus. 1,1 Prozent Steigerung hört sich halt auch nicht so gut an. Aber so ist das nun mal mit Statistiken. Wir hatten ja Glück, dass uns die beliebte Fußballplatzparallele erspart blieb: „Hessen hat eine Öko-Fläche von über 14.000 Fußballfeldern hinzugewonnen“. In der Pressemitteilung des Ministeriums wird die Ministerin weiter zitiert: „Hessen hat seine Spitzenposition beim Ökolandbau damit weiter ausgebaut“. Da müssen wir mal über das Wörtchen Spitzenposition sprechen. Gehe ich auf die Homepage „Ökoland Bayern“ lese ich direkt auf der Startseite: „Spitzenreiter in Deutschland“. Ja, was denn jetzt? Hessen oder Bayern? Natürlich Bayern! Es hat schlichtweg viermal so viel landwirtschaftliche Fläche zur Verfügung. Und sie geben richtig Gas bei der ökologischen Landwirtschaft. Aber auch an Baden-Württemberg, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern werden wir so schnell nicht ran kommen. Das ist ja auch nicht schlimm. Wir Hessen brauchen uns ja nicht vor unseren Leistungen zu verstecken. Eigentlich haben wir solche Wortspielchen der Ministerin gar nicht nötig.

Der zweite Punkt brennt mir eigentlich noch viel mehr unter den Nägeln: Das Umweltministerium vernachlässigt es nahezu komplett, den Verbrauchern Kaufanreize für ökologisch und regional erzeugte Lebensmittel zu bieten. Viele Verbraucher, insbesondere in ländlich geprägten Regionen, sind gezwungen, ihr Einkaufsverhalten den Gegebenheiten anzupassen. Auf dem Land ist ein regelrechtes Dorfladen- und Gastwirtschafts-Sterben zu beobachten. Wenn sie irgendwann schließen müssen, kommen sie in den seltensten Fällen wieder zurück. Oder um es deutlicher zu sagen: „Zu ist zu“. Und wer könnte die ökologischen Lebensmittel besser unter die Leute bringen? Es geht also nicht nur darum, welche Leckereien wir unserem Bäuchlein gönnen, sondern auch, wo wir es kaufen. Wenn wir ein bisschen darauf achten, dass Fleisch, Obst oder Milch aus der Region kommt, dann ist das gut für uns und gut für die gesamte Region.

Wer also hochwertige, regional und ökologisch erzeugte Lebensmittel fördern will, der muss das Komplettpaket fördern. Dazu gehört es auch, die regionalen Vermarkter besser zu schützen und Kaufanreize für die Verbraucher zu schaffen. Es müssen mehr Bemühungen stattfinden, damit die ökologischen Lebensmittel auch den Weg auf die hessischen Teller finden. Dabei sehe ich durchaus einen Markt für regional und ökologisch erzeugte Lebensmittel. Die Leute haben es satt, ständig Angst vor neuen Lebensmittelskandalen haben zu müssen. Ob unsaubere Machenschaften für immer mehr Profit, Massentierhaltung, umweltschädigende Produktionsmethoden oder menschenunwürdige Arbeitsbedingungen: Die Verbraucher schauen heutzutage sehr genau hin, was sie einkaufen. So oder so lohnt es sich, die heimischen Landwirte zu fördern, die Dorfläden in unseren Orten zu unterstützen oder beim Wirt um die Ecke mal einen Salat zu verspeisen. Das ist gut für unsere Landwirte in Hessen und gut für die Statistik von Frau Hinz.

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